Do., 23.11.2017

Im außerschulischen Lernstandort

Löffel für Löffel zum Biogas

 

 

Drittklässler befüllen ihre Flasche mit Essensresten und einigen weiteren Zutaten, um Biogas herzustellen. Foto: Alfred Riese

Saerbeck - Möhren- und Rübenschnitzel und was sonst noch aus der Küche auf dem Kompost landen würde, ein bisschen Erde und Zucker, ein halber Brühwürfel, warmes Wasser drüber: Fertig ist der Arbeitsplatz für Bakterien. Von Alfred Riese

Chefs der Biogas-Produktion im Miniformat sind vier Drittklässler der St.-Georg-Grundschule. Sie haben gerade im außerschulischen Lernstandort (ASL) „Saerbecker Energiewelten“ im Bioenergiepark die Mischung angerührt. Sie und ihre Klassenkollegen experimentieren an diesem Vormittag an vier Stationen rund um das Thema erneuerbare Energien. Die zwei weiteren Klassen des Jahrgangs waren vergangene Woche aktiv.

Es geht darum, einen Stromkreislauf mit Einspeisung aus Solarzellen zu bauen oder Windräder aus Chipsdosen und Strohhalmen zu basteln und dabei auf die Stellung der Rotorblätter zu achten. Respekt vor der Leistung von Steckdosen lernen die Kinder, wenn sie auf dem Fahrrad mit Dynamostrom Wasser im Kocher heiß strampeln – oder zumindest ein bisschen wärmer. Mit auf dem Programm: Das im Kleinen mit eigenen Händen Erfahrene nachher im Großen im Bioenergiepark entdecken. Da sind die Windräder dann statt 30 Zentimeter 200 Meter hoch und die Biomasse im Kompostwerk wird nicht mit Teelöffeln, sondern mit Radladern bewegt. Aber das Prinzip ist das gleiche.

Der Ausflug in das pädagogische Praxis-Paradies der „Saerbecker Energiewelten“ steht mittlerweile fest im Terminplan der St.-Georg-Grundschule, mit dem Experimentiertag und dem Kartoffelfest für Zweitklässler. „Das passt perfekt zu unserem Thema im Sachunterricht“, bescheinigt Doerte Beyer, Klassenlehrerin der 3c, dem Lehrerteam der „Energiewelten“, das im Auftrag des Fördervereins Klimakommune die pädagogischen Programme auflegt und durchführt. „Es wäre dumm von uns als Schule am Ort, die Angebote im außerschulischen Lernstandort und im Bioenergiepark nicht zu nutzen“, sagt sie.

Und es scheint zu funktionieren. Die Schüler arbeiten praktisch, sind eifrig und konzentriert dabei, und genug Fläche zum Herumrennen bietet der BEP auch. „So macht lernen Spaß“, meint Maria Schröder vom ASL-Team. Dabei sind die Anforderungen nicht gering. Es geht um schwierige Zusammenhänge, Messgeräte müssen richtig bedient werden und Teamarbeit ist gefragt. Klassenlehrerin Beyer hat festgestellt: „Die Schüler merken sich die Dinge viel besser, wenn sie es praktisch gemacht haben“.

Vom Ende der Sommerferien bis Weihnachten werden 19 Grundschulklassen in den „Energiewelten“ zu Gast gewesen sein, zählt Maria Schröer. Dazu kommen Klassen von weiterführenden Schulen.

Eine weitere Herausforderung gilt es für die Drittklässler nun in den nächsten Tagen zu meistern: Geduld. Über ihre Flaschenreaktoren haben sie Luftballons gestülpt. Die füllen sich erst nach und nach mit Biogas – man kann dabei zusehen.