MINTiG

Die Forscherlust wecken

Saerbeck - Bis zur Decke reicht die kurzlebige Flamme nicht ganz, insofern bleiben im Werkraum der St.-Georg-Grundschule keine Spuren zurück. Außer im Gedächtnis der Drittklässler, die drum herum stehen, als Saiba kräftig in den Schlauch pustet, Bärlauchsporen in das Sicherheitsgefäß bläst und so für eine eindrucksvolle Verpuffung an der Kerzenflamme sorgt.

Von Alfred Riese

Sonntag, 25.02.2018, 10:02 Uhr

 

Eine ordentliche Verpuffung produziert hier Saiba, indem sie Bärlauchsporen in den Behälter mit der Kerzenflamme pustet – und die Reaktionen der Mitschüler sind entsprechend. Foto: Alfred Riese

Gespanntes Zögern, etwas Zweifel und faszinierte Überraschung sind auf den Gesichtern der Schüler zu sehen: die Zutaten, um das Erlebte dauerhaft im Gedächtnis zu behalten.

Die Live-Verpuffung ist nur einer von vielen praktischen Versuchen, die die Zehntklässler der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule mit dem Schwerpunkt Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) in Klappboxen mitbringen, wenn sie mit ihrem Forschertag an Grundschulen gastieren. „MINTiG“ nennen sie das für „MINT in Grundschulen“. Die Kleinen haben die Wahl zwischen den Themen Feuer, Wasser und Elektrizität. Die Großen bauen mit den Kleinen aus Müllbeuteln und Geburtstagskerzen Heißluftballons, die wirklich abheben. Die Drittklässler untersuchen, welche Stoffe brennen, und wenn etwas brennt, löschen sie es mit selbst gebastelten Spülschaum-Feuerlöschern. Schmutzwasser fließt durch die Küchentuch-Kläranlage, und mit etwas Erklärung und Hilfe funktioniert auch der mit Solarzellen betriebene Motor.

Mit dem „Schüler unterrichten Schüler“-Projekt, das im zweiten Jahr läuft, präsentiert sich die Saerbecker Gesamtschule einerseits frühzeitig an Grundschulen. Die Mint-Klasse 10a geht auch auf Tournee unter anderem in Emsdetten und Ladbergen. Andererseits braucht es für „MINTiG“ fächerübergreifende Vorbereitung, erklärt Lehrerin Esther Kuck. Ein halbes Jahr lang beschäftigten sich die Schüler der 10a mit den Fragen, wie ein Kinder-Gehirn eigentlich lernt – Pädagogik und Psychologie. Es gibt Arbeitsblätter, richtig und falsch, jede Menge Aha-Effekte, am Ende Urkunden und die Hoffnung auf bleibende Forscherlust besonders bei Mädchen.

Das klappt an diesem Tag ganz offensichtlich auch deshalb, weil ältere Schüler in die Lehrerrolle schlüpfen. 30 junge Lehrer mehr: Das Grundschulkollegium hat sich einen Vormittag lang verdoppelt und so Experimentier-Praxis ermöglicht, die sonst kaum möglich ist.